Wissen & FAQ

Über Umkehrosmose

Was ist Umkehrosmose, wie funktioniert eine Reinstwasseranlage und für welche Anwendungen eignet sie sich? Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Das Funktionsprinzip

Was ist Umkehrosmose?

Umkehrosmose ist ein physikalisches Verfahren, das gelöste Stoffe rein mechanisch aus Wasser entfernt. Dabei wird das Wasser durch eine halbdurchlässige Membran gepresst, deren Poren so fein sind, dass fast nur Wassermoleküle hindurchdringen. Die zurückgehaltenen Stoffe werden nicht gesammelt, sondern kontinuierlich ins Abwasser abgeführt – die Umwelt wird dadurch nicht mit Zusatzstoffen belastet.

Trennt eine halbdurchlässige Membran zwei Flüssigkeiten unterschiedlicher Konzentration, wandern durch die Brownsche Molekularbewegung mehr Wassermoleküle von der reinen zur verunreinigten Seite als umgekehrt – dies wird als osmotischer Druck bezeichnet. Erzeugt man auf der verunreinigten Seite künstlich einen Druck, der deutlich über dem osmotischen Druck liegt, kehrt sich dieser natürliche Fluss um: reines Wasser wird durch die Membran gepresst. Großtechnisch wird mit diesem Prinzip sogar Meerwasser entsalzt – das erzeugte Wasser erreicht eine Reinheit, die nur wenige natürliche Quellen erreichen.

Funktionsprinzip der Umkehrosmose
Hintergrundwissen

Membran, Abwasser & Herkunft der Technik

Abwasserentstehung bei der Umkehrosmose

Da während des Betriebs ständig Leitungswasser mit gelösten Stoffen nachfließt, müssen die von der Membran zurückgehaltenen Substanzen laufend abgeführt werden, damit sie die Membran nicht verstopfen. Jede Umkehrosmoseanlage produziert daher neben dem Reinwasser auch Konzentrat (Abwasser) – der Wirkungsgrad ist nie 100 %. Zur Reduktion dieses Abwassers ist bei unseren Anlagen eine patentierte, stromlose Permeatpumpe verbaut, die den Abwasseranteil um ca. 85 % reduziert.

Die Membran als Herzstück der Anlage

Wo früher Zelluloseazetat-Membranen üblich waren, hat sich heute die Polysulfon-Membran durchgesetzt. Ihre durchschnittliche Lebensdauer beträgt 5 bis 7 Jahre. Leistung und Ausbeute hängen unter anderem vom Rohwasserdruck ab: Unsere Haushaltsanlagen arbeiten typischerweise bei 2,8 bis 6 bar – bei höherem Druck steigt auch die Reinwassermenge. Ebenso steigert eine höhere Temperatur die Ausbeute (bis zu 60 % mehr zwischen 10 °C und 25 °C); Temperaturen über 30 °C sollten aber vermieden werden, da die Membran empfindlich reagiert.

NASA-Technik für jedermann

Entwickelt wurde die Umkehrosmose in den 1960er-Jahren im Auftrag der NASA für ein Trinkwasser-Recycling-System bemannter Weltraumflüge. Bis heute stammen die Membranen namhafter Hersteller größtenteils aus den USA. Das bedeutendste Anwendungsgebiet ist heute die großtechnische Meerwasserentsalzung; weitere Einsatzbereiche liegen in der Lebensmittelindustrie (Aufkonzentrieren von Fruchtsäften), der Medizin (Dialyse) und dem industriellen Abwasser-Recycling. In den USA gehört ein Wasserfilter mit Osmosetechnik längst zur Standardausstattung vieler Küchen.

Vom Rohwasser zum Reinstwasser

Wie funktioniert eine Reinstwasseranlage?

Unsere Anlagen kombinieren mehrere Aufbereitungsstufen, die jeweils andere Verunreinigungen entfernen – bis nur noch extrem reines Wasser übrig bleibt.

1. Vorbehandlung

Mechanische Filter (z. B. Sand- oder Kartuschenfilter) entfernen grobe Partikel, Aktivkohle adsorbiert Chlor und organische Stoffe, und eine Enthärtung verhindert Kalkablagerungen – alles zum Schutz der nachfolgenden Membranen.

2. Zweistufige Umkehrosmose (RO)

In zwei Reinigungsstufen werden 95–99 % der gelösten Salze, organischen Stoffe und Mikroorganismen entfernt. Die zweistufige Anordnung sorgt für höhere Ausfallsicherheit und bessere Wasserqualität.

3. Elektrodeionisation (EDI)

Ionenaustauscherharze und ein elektrisches Feld entfernen kontinuierlich und ohne Chemikalien praktisch alle verbliebenen gelösten Salze – die Leitfähigkeit sinkt auf unter 0,2 µS/cm.

4. Polishing (Endreinigung)

Ultrafiltration, UV-Bestrahlung und Fein-Ionenaustauscher erreichen bis zu 18,2 MΩ·cm Leitfähigkeit. Ein Endfilter sorgt für die sterile, keimfreie Abgabe des Reinstwassers nach ASTM Typ I.

Häufig gestellte Fragen

FAQ Reinstwasseranlagen bei IEM

Reinstwasser wird international nach seiner Reinheit eingeteilt:

TypReinheitTypische Anwendungen
IHöchste Reinheit (z. B. 18,2 MΩ·cm, TOC < 10 ppb)HPLC, Zellkultur, molekularbiologische Anwendungen
IIHohe Reinheit (≥ 1 MΩ·cm)Allgemeine Laboranalytik, Reagenzien- und Pufferherstellung
IIIMittlere Reinheit (≥ 0,05 MΩ·cm)Vorfiltration für Typ I, Glaswarenspülung, weniger kritische Arbeiten

Hinweis: Ein „Typ IV“ ist keine offizielle ASTM-Kategorie, wird in der Praxis aber häufig für Roh- oder Vorbehandlungswasser verwendet.

Ob Forschung, Produktion oder kritische Industrieprozesse – überall dort, wo höchste Wasserqualität gefordert ist, liefern unsere Reinstwasseranlagen die passende Lösung, unter anderem für:

  • Universitäts- und Forschungslabore
  • Pharmazeutische Entwicklung und Qualitätssicherung
  • Biotechnologie und Zellkultur
  • Lebensmittel- und Getränkeindustrie
  • Halbleiter- und Elektronikfertigung
  • Medizinprodukte- und Krankenhausversorgung
  • Wasserstoffproduktion, z. B. für die PEM-Elektrolyse mit hochreinem Wasser
  • Kernenergie, z. B. für Reaktorkühlung, Moderatorwasser oder Laboranalytik

Ja – alle unsere Wasseraufbereitungssysteme sind maßgeschneiderte Lösungen. Die Auslegung jeder Anlage erfolgt auf Basis einer Speisewasseranalyse und der abhängig vom Anwendungsbereich benötigten Reinstwasserqualität. Dabei berücksichtigen wir insbesondere:

  • Wasserbedarf (l/h oder l/d)
  • Platzverhältnisse vor Ort
  • Reinheitsanforderungen
  • Anschluss an bestehende Infrastruktur
  • Validierung (GMP, IQ/OQ) und optionale Fernüberwachung

Selbstverständlich bieten wir umfassenden Service rund um Ihre Anlage:

  • Installation und Inbetriebnahme
  • Wartungsverträge mit festen Intervallen
  • Remote Monitoring für kontinuierliche Anlagenüberwachung
  • Kalibrierung und Validierung
  • Ersatzteilservice und vollständige Dokumentation
  • Schulung Ihres Personals für sicheren und effizienten Betrieb
  • Standardanlagen sind oft kurzfristig verfügbar
  • Individuelle Anlagen (inkl. Planung & Dokumentation): ca. 6–14 Wochen
  • Expresslieferungen und Projektstart nach Absprache möglich

Sie erreichen uns telefonisch unter +49 6131 963107 oder per E-Mail an info@iemgmbh.de. Alternativ nutzen Sie einfach unser Kontaktformular.

Die heute übliche Polysulfon-Membran hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 5 bis 7 Jahren. Wie schnell sie tatsächlich verschleißt, hängt stark von der Rohwasserqualität, dem Betriebsdruck und einer geeigneten Vorbehandlung ab – mit regelmäßiger Wartung und passender Vorfiltration lässt sich die Standzeit spürbar verlängern.

Jede Umkehrosmoseanlage produziert neben dem Reinwasser auch Konzentrat, da der Wirkungsgrad nie 100 % erreicht. Unsere Anlagen setzen dafür eine patentierte, stromlose Permeatpumpe ein, die den Abwasseranteil um ca. 85 % reduziert – deutlich ressourcenschonender als Standardanlagen ohne diese Technik.

Beide Verfahren entfernen gelöste Salze aus Wasser, funktionieren aber unterschiedlich: Ionentauscherharze binden Ionen chemisch und müssen regelmäßig regeneriert werden, während Umkehrosmose gelöste Stoffe rein mechanisch über eine Membran zurückhält, ganz ohne Chemikalieneinsatz. In der Praxis kombinieren wir beide Verfahren häufig – etwa Umkehrosmose als Hauptstufe mit nachgeschalteter Elektrodeionisation (EDI) für höchste Reinheitsgrade.

Je nach Einsatzort und Anforderung liefern wir unsere Anlagen in vier Gehäusevarianten:

  • Edelstahlgehäuse – für Umgebungen mit hohen Hygiene- und Optikanforderungen, z. B. in Medizin und Lebensmittelbereich
  • Mobil – auf Rollen montiert, flexibel einsetzbar für wechselnde Einsatzorte
  • Rahmen Gestell – offen zugänglich für Wartung, ideal zur Integration in bestehende Infrastruktur
  • Schrankanlage – komplett gekapselt, platzsparend und geschützt vor Staub und Berührung

In vielen Fällen ja – ob zusätzliche Aufbereitungsstufen (z. B. eine nachgeschaltete EDI-Stufe für höhere Reinheit), mehr Kapazität oder Fernüberwachung: Sprechen Sie uns einfach mit den Eckdaten Ihrer bestehenden Anlage an, wir prüfen die Nachrüstmöglichkeiten individuell.

Im Rahmen unserer Wartungsverträge stehen wir Ihnen bei Störungen mit Ersatzteilservice und persönlichem Support zur Seite. Wo Fernüberwachung eingerichtet ist, erkennen wir viele Probleme bereits, bevor sie zum Ausfall führen.

Reinstwasser aus einer Umkehrosmoseanlage ist für technische, medizinische und laboranalytische Anwendungen ausgelegt, nicht als Trinkwasserersatz. Für Trinkwasseranwendungen ist eine andere Auslegung mit entsprechender Mineralisierung und Hygienekonzept notwendig – sprechen Sie uns bei Bedarf gezielt darauf an.

Noch Fragen zu Umkehrosmose oder Reinstwasser?

Unser Team berät Sie gerne zu Ihrer individuellen Wasseraufbereitungslösung.

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